Foto: Saulius Petrosius
Stiften liegt im Trend. Deutschland ist eines der stiftungsreichsten Länder Europas. Aktuell gibt es über 20.000 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Alleine in München sind es ca. 1.000. Georg Freiherr von Boeselager, persönlich haftender Gesellschafter, Merck Finck & Co, Privatbankiers: ,,Stiftungen sind Zeichen und Instrument konkreten bürgerschaftlichen Engagements. Es gibt einen zunehmenden Wunsch, von den erreichten Erfolgen im Beruf und von dem erarbeiteten Vermögen etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Die Vereinfachung des Stiftungsrechts im Jahre 2001 hat entscheidend dazu beigetragen, dass wir in den letzten Jahren einen regelrechten Stiftungsboom in Deutschland zu verzeichnen haben’’.
Beim zweiten Münchner Stiftungs Frühling /20.bis 26. März 2015/ konnte man vieles erfahren: welche Erfolge Stiftungen im Kleinen wie im Großen erzielen, wie bunt die Stiftungszwecke und Förderungsthemen sind, welche Köpfe hinter den Stiftungen stecken, und wo man sich als Einzelner engagieren, spenden oder eigenes Vermögen anlegen kann.
Das Programmangebot teilte sich auf zwei Rubriken: die Stiftungsmesse in der zentralen BMW Welt und dezentrale Angebote bei den Stiftungen und Projektpartnern direkt vor Ort.
HVB Stiftungsakademie, zum Beispiel, bot nicht nur zahlreiche Workshops und Vorträge, aber auch exklusive Führung durch die Ausstellung ,,Münchner Rokoko’’ in der Kunsthalle München an.
Bayerische Landesstiftung ermöglichte den ansonsten nicht zugänglichen historischen Dachstuhl der Burg und des Zwingerstocks, der als ältester erhaltener Dachstuhl Münchens gilt, zu besichtigen. Der Alte Hof in München, dessen Geschichte bis 12.Jahrhundert zurückreicht, ist der geeignete Sitz für die Stiftung, die im Bereich der Kultur vor allem auch die Erhaltung von Denkmälern in Bayern fördet.
Besonders informativ zu schätzen sind zwei Vorträge mit Frühstück von Merck Finck Stiftung: ,,Kapital erhalten oder ausschütten? Stiftungen müssen Prioritäten setzten’’ und ,,So gelangen Sie zur eigenen Stiftung - schnell und einfach’’. Herr Ralf Schwind, Vorstandvorsitzender der Merck Finck Stiftung, informierte ausführlich über einen Service für Stiftern und Stiftungen, der vom Gründungsgedanken bis zur laufenden Betreuung der Stiftung läuft, und, anhand eines konkreten Beispiels, zeigte, wie die Konzentration auf Sachwerte einen langfristigen Kapitalerhalt und regelmässige Ausschüttungen ermöglicht.
Münchner Stiftungs Frühling ermöglichte auch die renomierte Jutta Speidel-Stiftung zu besuchen. Führung durch Jutta Speidels HORIZONT-Haus von Frau Renata Farkas, Diplom-Sozialpädagogin, brachte die wertvolle Arbeit der Stiftung näher. HORIZONT betreibt im München Norden ein Haus mit 24 Wohnungen für obdachlose Kinder und deren Mütter.’’Oftmals stehen Hilfesuchende bei nacht und Nebel mit ein paar Plastiktüten in den Händen vor unserer Türe. In welcher Verfassung diese Menschen sind, spottet jeder Beschreibung.’’, erzählt Frau Renata Farkas,’’Der hohe Sicherheitsstandard in unserem Haus gewährleistet unseren Bewohnerinnen und deren Kindern größmöglichsten Schutz und Geborgenheit’’. Das 7-köpfige sozialpädagogische Fachteam betreut im Durchschnitt 65 Kinder und deren Mütter, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.
Münchner Stiftungs Frühling bietet einen eindrucksvollen Überblick über die breit gefächerte Münchner StiftungsWELT, in der vieles leider im Verborgenen bleibt.
Autorin: Daiva I. Petrosiene